Rede zum 1. Jubiläum von Amazonien (von Atrista)
Verfasst: 18.11.2025, 00:17
Atristas Rede beim Festakt zum einjährigen Jubiläum
Ich grüße Euch Amazonen, Freunde und Völker der Amazonen.
Ein herzliches Willkommen auch unseren Gästen. Ich freue mich, dass Ihr Heute hier seid und mit uns diesen Festakt begehen wollt.
Heute am 17. April ist in der virtuellen Welt Second Life der Tag der Erinnerungen. Jedes Jahr an diesem Tag wollen wir uns an diejenigen erinnern die wir Inworld kennen und schätzen gelernt haben und die dann im realen Leben verstorben sind. Die Nullen und Einsen, die Bits und Bytes werden durch den täglichen Umgang miteinander plötzlich zu Freunden, man nimmt sie wahr wie einen realen Menschen, freut sich wenn man sie sieht, bekommt Herzklopfen wenn sie einem nah sind, erwartet dass sie endlich Online sind. Es entwickeln sich Beziehungen die man sich so niemals hätte vorstellen können und es erschüttert einem zutiefst wenn man sich einlogt und die traurige Erfahrung machen muss, dass dieser lieb gewonnene Avatar im realen Leben von uns gegangen ist.
Ich persönlich habe diese Erfahrung gemacht als Cathy Freund und jetzt kürzlich Samantha Vacano verstorben sind. Einige von Euch mögen andere Namen in Erinnerung haben. An diesem Tag der Erinnerungen wollen wir ihnen gedenken, uns daran erinnern was sie uns gegeben haben, wie wir miteinander gestritten, diskutiert, gelacht und miteinander gespielt haben. Ich bitte euch jetzt um eine stille Minute in der wir uns an unsere Freunde erinnern.
Danke
Amazonien ist jetzt genau ein Jahr alt.
Es war ein gewaltiges Jahr und man kann es uns einfach nicht verübeln, dass wir beide, Amelie Cimino und Atrista Vig mit stolz geschwellter Brust heute hier vor euch stehen. Es waren keine Berge, es waren Gebirge von Problemen, es gab Hohn, Spott, Verleumdungen, Intrigen, persönliche Anfeindungen, Zickereien von Innen und Außen, endlose Diskussionen und Austritte. Es hat ihnen nichts genützt. Wir sind immer noch da und Amazonien lebt.
Angefangen hat es mit einem simplen Post im deutschen Forum SLInfo.Amelie Cimino hatte eine Diskussion im Forum zum Thema Gor mitverfolgt und aufgegriffen.
Gerade läuft die Diskusion in " Gor für Anfänger " in eine Richtung, die eigentliche ein neues RP geben könnte in Anlehnung zu den Gor-Regeln. Es ist die Rede von der Umkehrung der Positionen. Ich finde die Idee hat was spannendes und könnte eine ganz neuen Blickwinkel eröffnen. Eine Insel die von Frauen regiert wird und die Männer unterwirft--- tolle Idee.!!
Das war am 16.April 2007. Die Reaktion war überwältigend und ein eindeutiges Indiz dafür, dass ein Bedarf an Rollenspielen vorherrschte der sich deutlich von Gor unterscheiden wollte. Von Amazonen war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht die Rede. Erstaunlich war, dass auch sehr viele männliche Diskussionsteilnehmer sich für ein Rollenspiel stark machten mit umgekehrten Vorzeichen. Wer A sagt muss auch B sagen und so blieb nach dem übergroßen Interesse auch gar keine andere Wahl als ein Rollenspiel aus der Taufe zu heben.
Die Namensgebung war dann auch mehr eine Notlösung und ergab sich auch nicht zwingend aus den vielen Vorstellungen. Klar war nur eines: man wollte ein Spiel von Frauen für Frauen und Männer sollten eine untergeordnete Rolle spielen und man wollte möglichst viel von dem Hintergrund der Gorwelten mit herüberretten. Gor war bei allen Diskussionen das große Vorbild, insbesondere dort die kämpfenden Frauen, die Panther. Die Frauen hatten einfach keine Lust mehr dauernd in der Angst zu leben, dass ein bisschen Action auch in der totalen Versklavung enden konnte. Auf die kämpferischen Elemente in einem solchen Spiel wollte aber niemand verzichten und so erinnerte man sich an die Amazonen.
Die Idee hatte jetzt einen Namen und man wollte künftig als Die Amazonen in Second Life auftreten. Erst nach und nach änderten sich die Vorstellungen. Als Atrista Vig zum Gedankenaustausch in den Keller ihrer Burg eingeladen hatte fand sich schnell ein harter Kern der in aller Eile die Grundlagen und die Rahmenbedingungen erarbeitete. Vieles davon hat heute noch seine Gültigkeit. Dieser harte Kern war ein bunter Mix von Frauen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten. Die Visionäre Amelie Cimino und Atrista Vig haben das Rollenspiel entwickelt und die ethischen Grundsätze formuliert und so die Amazonen als eigenständiges Rollenspiel etabliert weit weg vom Vorbild.
Aber Gerade dieser Schritt in die andere Richtung war es der uns erst recht mit Problemen überrannt hat.
Ich halte diesen Schritt heute noch für die einzig richtige Entscheidung. Wir hätten niemals ein Gor neben Gor etablieren können. Wir haben viele Fehler dabei gemacht und die belasten uns heute noch. Die Besserwisser in den Foren die uns immer gerne unsere Fehler, verglichen mit dem Rollenspielverhalten in den scheinbar besseren Spielwelten, vorgehalten haben sind merkwürdig still geworden. Hinter all unseren Bemühungen war immer der Gedanke einen Playground zu schaffen, hauptsächlich für Frauen um vielen eine Möglichkeit zu geben das Schöne eines Rollenspiels einmal selbst mitzumachen ohne dass diejenige oder derjenige dicke Wälzer an Vorgeschichte lesen muss und ohne, dass ein Brockhaus ähnliches Regelwerk erlernt werden muss. Damit haben wir uns geöffnet für viele Anfänger und waren eben kein geschlossener Kreis von Profis.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre aber was die Lehrlinge aus der Idee gemacht haben kann sich sehen lassen.
Amelie und ich werden oft gefragt wo in der Entwicklung von Amazonien unser Hauptaugenmerk liegt. An der der Entwicklung als Kampfspiel oder mehr die Entwicklung einer Gesellschaftsform.
Abgeleitet von dem Vorbild lag das Hauptaugenmerk anfangs tatsächlich mehr auf den kämpferischen Elementen. Dies zeigte sich auch an der Entwicklung der Rollen und Kasten. Kriegern und Spähern wurde sehr viel Platz und Wichtigkeit eingeräumt und man gab sich auch, zugegeben etwas naiv der Illusion hin man könnte mit der einzigen damals kämpfenden Welt Gor im Kampf interagieren.
Diese Fehleinschätzung war fatal und hatte zur Folge, dass innerhalb von nur wenigen Wochen dem Spiel die Grundlage entzogen wurde. Die Welt von "Gor", einem Gegenplaneten zur Erde kannte keine Amazonen. Auf diesem Planeten gibt es nur Frauen entweder als Sklavinnen, wenige geduldete Freie Frauen und natürlich die gesetzlosen, vogelfreien Panther. Unsere Späher spähten vergeblich nach angeblichen Feinden und unsere Krieger trugen Schwert und Bogen lediglich zur Zierde. In Folge dieser falschen Einschätzung wurde deutlich, dass man sich viel zu wenig um Inhalte gekümmert hatte. Vielmehr wurden beinahe alle Kräfte auf die Gestaltung des Simulators ( Sim) und auf das Design der Kleidung der Amazonen gebündelt. Diese waren jetzt wirklich hübsch anzusehen, lungerten aber ziel- und planlos auf einer Insel herum. Die Hoffnung, dass diese sich dann in eigener Initiative selbst einen Handlungsrahmen geben würden erfüllte sich nicht. Dies war nicht der einzige Fehler den die Initiatoren machten. Niemand hatte erwartet, dass nach den Ankündigungen einer Spielerwelt für Frauen von Frauen in deutscher Sprache und auch für Anfänger spielbar die Gruppe mit über 50 Personeneinträgen quasi überrannt wurde. Mit einem solchen Ansturm hatte keiner gerechnet und die Verantwortlichen waren völlig damit überfordert.
Erfahrene Rollenspielerinnen die den Weg zu den Amazonen gefunden hatten hatten entweder keine Lust sich mit Spielanfängern herumzuschlagen oder keine Geduld den Anfängern auf dem Weg zum Rollenspiel hilfreich zur Seite zu stehen. Sie langweilten sich und wanden sich nach wenigen Tagen wieder anderen Welten zu. Dabei hätte die Gruppe gerade in diesen Tagen Rat und Tat der Erfahrenen so sehr gebraucht. Etwas was anfänglich überhaupt nicht bedacht wurde aber der Gruppe fast schmerzhaft klar wurde war, dass niemand daran gedacht hatte das ganze Projekt auf solide finanzielle Beine zu stellen. Die Spielerinnen die sich für Amazonien begeisterten waren in der Mehrzahl Frauen die sich Geld ausgeben in Second Life überhaupt nicht leisten konnten und somit war die Finanzierung für Grundstückskauf und monatlichen Steuerzahlungen alleine Sache der Initiatoren. Auch bei dieser Gruppe der Verantwortlichen zeigte sich, dass nicht jeder den Belastungen gewachsen war. Der enorme Verwaltungs- und Geldaufwand zeigte Spuren. Immer mehr der Initiatoren stiegen aus, hatten nicht mehr die Zeit oder nicht genügend Geldreserven und wohl auch nicht mehr die Nerven.
Zurück blieben Amelie und Atrista. Ohne Geld kein Kampf und ohne Kampf kein Amazonien war die Formel bis zu diesem Zeitpunkt. Umdenken oder aufgeben. Die beiden Hauptfiguren standen am Scheideweg und vergruben sich in tage- und nächtelange Diskussionen. Eines war klar: Amazonien sollte von der Grundidee erhalten bleiben und nicht um des Überlebenswillen von den einmal gefassten ethischen und moralischen Grundsätzen abweichen. Erotik hatte da ihre Grenzen wo die Menschenwürde verletzt wurde. Das Postulat von gegenseitigem Respekt und der Achtung der Würde eines jeden Lebewesens war unumstößlich. Diejenigen Frauen die herkamen um Schutz zu suchen sollten auch weiterhin ihren Schutz finden. Amelie und Atrista hatten einen Scherbenhaufen vor sich den es aufzuräumen galt. Es mangelte in diesen Tagen nicht an gut gemeinten Ratschlagen von Leuten die anderen gerne sagen wie man eine Arbeit erledigt aber selbst nicht bereit waren die Ärmel hochzukrempeln. Beschimpfungen und mitleidiges Belächeln waren an der Tagesordnung. Das Amazonien dieser Tage war gekennzeichnet durch Zickenkriege und Grabenkämpfe, Beziehungskisten und emotionalen Entgleisungen. Der Gruppendynamik hatten die beiden Verantwortlichen nichts Wirksames entgegen zu setzen. Zu unterschiedlich waren die Beweggründe der Frauen hier zu sein, zu unterschiedlich auch Herkunft und Bildungsstand. Es gab Männer die mit weiblichen Avataren spielen wollten, es gab Frauen die aus dem echten Leben flüchteten weil sie eine Ehekrise oder Gewalt in der Ehe erfahren hatten, nicht selten Frauen die an der physischen und psychischen Gewalt in der BDSM -Szene gescheitert waren, Frauen mit irreparablen psychischen Schäden, Frauen die tief in einer Depression steckten und hier dringend Hilfe suchten, Frauen mit einer "Hoppla, jetzt komme ich und zeig es euch allen" Mentalität aber auch Frauen die mit sehr vielen Ideen bereit waren etwas zu tun wenn sie nur gewusst hätten wie und viele Frauen die sich liebevoll um andere kümmerten. Diesen Formenkreis menschlicher Unzulänglichkeiten in den Griff zu bekommen war so als hätte man sich vorgenommen eine neue Primzahl zu entdecken oder die Quadratur des Kreises zu berechnen.
Hilfe bekamen Amelie und Atrista in Gestalt einer engagierten Mitspielerin. Mascha Petrova.
An dieser Stelle liebe Mascha ein ganz herzliches Dankeschön. Ohne dich und dein Engagement hätten wir es niemals soweit gebracht.
Mascha übernahm die schwierige Aufgabe für die Amazonen eine Rolle nach der anderen zu beschreiben und zu definieren. Sie übernahm es auch die Frauen in die einzelnen Rollen einzuweisen und Spielhilfen zu geben.
Amelie und Atrista konnten sich jetzt den menschlichen und gesellschaftlichen Problemen zuwenden. Ein Umdenken hatte stattgefunden. Wir Beide hatten erkannt, dass es keine neue Spielewelt gab wenn nicht zuerst die menschlichen Probleme in Angriff genommen wurden. Das Spiel als Amazonen war nachrangig. Im Fokus war jetzt das Formen einer Gesellschaft. Mit Nachdruck wurde an der Bildung einer Kommune gearbeitet. Während man die Amazonen mit kleinen inszenierten Spielchen bei Laune hielt wurde versucht die Gruppe der Frauen in das größte deutsche Forum für Second Life auf Slinfo.de einzubinden. In endlosen Gesprächen und in Arbeitsgruppen wurden die Frauen langsam an ein Zusammenleben in einer Gruppe vorbereitet. Der Teamgedanke wuchs langsam aber stetig. Es bildete sich eine Kerntruppe von Spielerinnen die in den verschiedensten Rollen die Zugänge und Abgänge betreuten und die in eigener Initiative Spiele und Szenerien entwickelten. Eine kleine deutsche Kommune wuchs heran. So nach und nach konnte auch den Hilfesuchenden die notwendige Hilfe geboten werden. Sie fanden sie entweder in dem deutschen Forum oder bei Freunden auf Amazonien die sie ständig und eng begleiteten. Die Amazonen hatten sich fortentwickelt. Von einer kämpferischen Gruppe von Frauen hin zu einer Kommune mit einer Geborgenheits- und Wohlfühlnote die alles ermöglichte. Gegenseite Hilfe, Zusammenleben in einer schönen Umgebung und natürlich Spaß am Spiel.
Das Rollenspiel durfte nicht zu kurz kommen und musste jetzt neu belebt werden. Dabei waren Anleihen aus anderen Spielewelten durchaus willkommen. Mittlerweile hatten sich auch andere Gruppen zusammengefunden. Die Amazonen waren sicherlich auch für Viele Vorbild. Galt es bis dato als schick in Second Life Rollenspiele nur als Roleplay in englischer Sprache durchzuführen war man jetzt bereit die deutsche Sprache nicht nur verschämt in einzelnen Ecken einzusetzen. Das deutsche Rollenspiel war gesellschaftsfähig geworden. Die Amazonen sind immer noch in der Experimentier- und Findungsphase. Ist man auf der Insel dann ist die Person automatisch in der Rolle und spielt. Daneben gibt es aber auch die typischen Kampfszenen in denen ein Kampfmeter anzeigt wie lange man einen Kampf noch durchsteht. Eine andere Art des Spielens miteinander ist ein Mix des uralten Pen and Paper mit den visuellen Wahrnehmungen. Hierbei werden Szenen gespielt, auch Kampfszenen wo nicht einmal eine gezückte Waffe zum Einsatz kommt. Die schönste aber auch die schwierigste Form miteinander zu spielen. Eine weitere Art des Rollenspiels wurde auch schon ausprobiert. Ein Fremder, ein Gastspieler übernimmt irgendeine Rolle und keine der beiden Seiten weiß wie die andere reagiert. Ein sehr dynamisches Spiel mit hohem Spaßfaktor. Ein letztes Experiment von Rollenspiel wurde erst jüngst ausprobiert. Es wird in Romanform eine Szene beschrieben und eine Hintergrundgeschichte geschaffen, die dann gespielt werden muss. Das Spiel wiederum liefert neue Aspekte die in die Geschichte einfließen müssen. So beeinflussen sich Spiel und Geschichte und die erzählte Geschichte wird wie in einem Theater zur Kulissenschieberei verwendet.
Man kann also mit Fug und Recht behaupten, Die Amazonen sind aus der Spielewelt in Second Life nicht mehr wegzudenken. Sie haben sich zu einer Gesellschaft und Kommune fortentwickelt die auch ein fester Bestandteil des deutschen Forums ist. Die Amazonen sind eine Gruppe von Frauen die Spaß daran haben miteinander zu spielen um die Gemeinschaft zu pflegen. Das Kämpfen alleine steht nicht mehr so im Vordergrund vielmehr wird jede Art der Interaktion akzeptiert.
Amazonien ist mehr als ein Rollenspiel. Amazonien ist eine Summe.
Amazonien ist eine Gesellschaftsform.
Eine Gesellschaftsform von Frauen dominiert bringt unweigerlich die Rufer auf den Plan die uns als Feministinnen und Lesben bezeichnen.
Selbstverständlich hat Amazonien einen feministischen Hintergrund. Wir Amazonen sind selbstbewusst genug uns dazu zu bekennen wohl wissend um den negativen Beigeschmack den dieses Attribut mit sich bringt. Auf den Zungen vieler Zeitgenossen zerfließt das Wort pseudointellektuell zu einer Sauce á la "Kampflesbe". Wenn man den Eröffnungspost von Amelie Cimino am 16. April 2007 nochmals genau liest und sich die letzten beiden Worte "..... tolle Idee!" in Erinnerung ruft dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass da eine ganz gehörige Portion Feminismus dahinter steckt. Da steckt doch die eindeutige Botschaft drin, wir Frauen wollen eine eigene Welt in der tunlichst Männer nichts zu sagen haben. Wer in diesem Thema weiter stöbert, den Thread im Forum weiter verfolgt der gibt keinen Pfifferling mehr auf das Patriarchat der bierbäuchigen und schnurrbärtigen Stammtische. Was wurde da auf die Männerwelt eingedroschen und seltsamerweise gab es eine große Zahl männlicher Zeitgenossen die sich regelrecht unter das Joch weiblicher Raffinesse gesehnt haben. Ein regelrechtes "Hurra Matriarchat" machte sich breit. Wie alles in der facettenreichen Entwicklungsgeschichte haben sich auch da die scharfen Kanten abgeschliffen. Selbstverständlich war nicht Feminismus die Triebfeder für Amelies Eröffnungspost, es war mehr der Reiz an der Sache, eher die Frage ob eine solche Welt vorstellbar oder spielbar war. Genau die richtige Aufgabe für eine Juristin um die moralischen Eckpfeiler wieder auf die richtigen Koordinaten zu setzen.
Ich gratuliere mir Heute noch für diesen genialen Schachzug die Gesetze Amazoniens in nur sechs Paragraphen (Codex) zu formulieren. Diesen Codexen stellte ich einen Erlass voran.
"Sämtliche Regeln sind gesetzesgleich und endgültig. Sie wurden uns von den Göttern gegeben und dienen der Erhaltung des Staatenbundes, der Integration der Amazonenvölker und dem Gemeinwohl. Gesetze werden in einzelnen Codexen beschrieben und dürfen niemals gegen den Erlass verstossen. Menschen, Pflanzen, Tiere und Elemente verdienen den Respekt und die Achtung aller Amazonen. Sie sind ein Geschenk der Götter und sollen unser irdischisches Dasein jetzt und in Zukunft sichern. Jede Amazone hat das Recht und die Pflicht, diese Gabe der Götter mit allen Mitteln zu verteidigen".
Mit diesem Erlass hatte ich als gelernte Juristin gezeigt, dass Juristerei ja so einfach sein kann und allen Extremen von Beginn an die Zähne gezogen. Mit diesem Erlass war kein feministischer Weiberstaat mehr machbar. Amelie und Atrista hatten es geschafft dem Wort Feminismus einen anderen Sinn zu geben. Der fade Beigeschmack war verschwunden und Amazonien blieb dennoch ein von Frauen regiertes Land. Die Geschichte der Amazonen in der Antike hatte nur wenig dazu beizusteuern. Wie oben schon erwähnt war der Rückgriff auf die bewaffneten Frauen der Antike eher der Not gehorchend auf der verzweifelten Suche nach aktuellen Beispielen aktiver und positiver Frauendominanz. Das Mysterium der Amazonen in der Geschichte lässt auch bei uns Deutungen in alle Richtungen zu. Wir können eine phantastische oder eine phantasievolle Welt aufbauen ganz nach unserem Geschmack.
Wir sind aber keine ausgrenzende Gesellschaft. Wir lieben vielmehr die Vielfalt und das Spiel mit anderen. Von Anfang an haben sich die Amazonen geoutet als tolerante, aufgeklärte Bürger in dieser Welt. Wir waren bereit auch andere Völker zu integrieren. Unsere Gesellschaft hat Zuwachs bekommen. Wir haben seit kurzem dabei die Elfen und ab sofort eine neue Gesellschaft die Töchter Artemis die uns als Rebellen in die Suppe spucken wollen. Aber auch sonst sind die Amazonen aufgeschlossen. Wir waren die ersten die sich offen gemacht haben für Avatare aller Art. Wir waren die Einzigen die sich ohne Wenn und Aber auch dafür ausgesprochen haben Kinder zu akzeptieren und als selbstverständliches Element in unser Spiel zu integrieren.
Wie aber interagieren wir mit anderen Welten?
Was aber nützt der schönste Garten, wenn man ihn nicht dem Nachbarn zeigen kann? Die Amazonen sind eitel und stolz auf die Welt die sie geschaffen haben. Amazonien wird gerne hergezeigt. Wir lieben Besucher. Dabei spielt die Herkunft und die Sprache des Besuchers nur eine sekundäre Rolle. Bei fremdsprachigen Besuchern wird im schönsten deutsch/englischen kauderwelsch geradebrecht was das Zeug hält und führt so zu regelmäßigen sprachlichen Lockerungsübungen. Jede der beiden Seiten erfährt eine gewisse Befriedigung dadurch, dass die Einen stolz darauf sind auch diesen Besucher begrüßt zu haben und der Andere sieht in den Bemühungen, dass man ihm Respekt entgegen bringt. Die so gefundenen Gemeinsamkeiten machen Amazonien für jeden Besucher zu einem Erlebnis.
Die Amazonen sind ein kontakt- und spielfreudiges Volk und außerdem schmecken die Kirschen in Nachbars Garten auch gut oder manchmal besser. Allerdings sind dem spielerischen Kontakt mit anderen Welten Grenzen gesetzt. Die Amazonen spielen in der deutschen Sprache und nur ganz wenige der Spielerinnen beherrschen eine Fremdsprache so gut, dass sie in der fremden Sprache glaubhaft spielen könnten. Wer es einmal versucht hat weiß wie schwierig es ist Gefühle und Empfindungen auszudrücken wenn man eine Sprache nicht zu 100 % beherrscht. Daher gibt es durchaus vorsichtige Anfragen von englischsprachigen Völkern wie den "Roma" oder den "Celtic Amazones" aber einen spielerischen Kontakt hat es bisher nicht gegeben. Nicht nur die Sprache ist ein Kriterium bei der Suche nach möglichen Spielewelten. Zeit und Raum sowie die Ausstattung müssen einigermaßen aufeinander abgestimmt sein. Unvorstellbar, dass die Amazonen mit Pfeil und Bogen gegen ein Volk kämpfen das selbst nur Laser- und ballistische Waffen in ihrem Repertoire hat. In einem solchen Fall kann es nur ein freundschaftliches Miteinander geben. So geschehen mit unseren Freunden vom Orden des Phönix Ember. Der Orden hat eine mystische Vita und es bedurfte der abenteuerlichsten Hintergrundgeschichten um diese Spielfreundschaft Wirklichkeit werden zu lassen. Viel einfacher dagegen ist das Zusammenspiel mit den deutschen Elfen. Die Elfen haben eine ähnliche Spielanlage wie die Amazonen, sind nicht unbedingt auf eine historische Epoche festgelegt und bespielen die ganze Bandbreite phantastischer Mysterien. Zauberer und Magier, Heilerinnen, Wahrsager und Königin sind ganz nach dem Geschmack der Amazonen und ermöglichen eine Interaktion auf Anhieb. Die Amazonen sind schon aus eigenem Interesse bestrebt den Kontakt mit anderen Völkern herzustellen und die Spielmöglichkeiten auszuloten.
Amelie und Atrista sagen an dieser Stelle ganz herzlichen Dank an euch Amazonen aber auch an unsere Freunde und Bürger Amazoniens.
Wir blicken mit Stolz zurück auf das was da entstanden ist.
Wir blicken Stolz auf Euch die die Gedanken, Ideen und Grundsätze mit Leben erfüllen.
Wir wünschen uns, dass wir mit diesem zeitlichen Abriss, mit diesem Rückblick und den Hintergrundinformationen noch ein bisschen mehr dazu beigetragen haben, dass Ihr Stolz sein könnt.
Wir lieben Euch!
Ich grüße Euch Amazonen, Freunde und Völker der Amazonen.
Ein herzliches Willkommen auch unseren Gästen. Ich freue mich, dass Ihr Heute hier seid und mit uns diesen Festakt begehen wollt.
Heute am 17. April ist in der virtuellen Welt Second Life der Tag der Erinnerungen. Jedes Jahr an diesem Tag wollen wir uns an diejenigen erinnern die wir Inworld kennen und schätzen gelernt haben und die dann im realen Leben verstorben sind. Die Nullen und Einsen, die Bits und Bytes werden durch den täglichen Umgang miteinander plötzlich zu Freunden, man nimmt sie wahr wie einen realen Menschen, freut sich wenn man sie sieht, bekommt Herzklopfen wenn sie einem nah sind, erwartet dass sie endlich Online sind. Es entwickeln sich Beziehungen die man sich so niemals hätte vorstellen können und es erschüttert einem zutiefst wenn man sich einlogt und die traurige Erfahrung machen muss, dass dieser lieb gewonnene Avatar im realen Leben von uns gegangen ist.
Ich persönlich habe diese Erfahrung gemacht als Cathy Freund und jetzt kürzlich Samantha Vacano verstorben sind. Einige von Euch mögen andere Namen in Erinnerung haben. An diesem Tag der Erinnerungen wollen wir ihnen gedenken, uns daran erinnern was sie uns gegeben haben, wie wir miteinander gestritten, diskutiert, gelacht und miteinander gespielt haben. Ich bitte euch jetzt um eine stille Minute in der wir uns an unsere Freunde erinnern.
Danke
Amazonien ist jetzt genau ein Jahr alt.
Es war ein gewaltiges Jahr und man kann es uns einfach nicht verübeln, dass wir beide, Amelie Cimino und Atrista Vig mit stolz geschwellter Brust heute hier vor euch stehen. Es waren keine Berge, es waren Gebirge von Problemen, es gab Hohn, Spott, Verleumdungen, Intrigen, persönliche Anfeindungen, Zickereien von Innen und Außen, endlose Diskussionen und Austritte. Es hat ihnen nichts genützt. Wir sind immer noch da und Amazonien lebt.
Angefangen hat es mit einem simplen Post im deutschen Forum SLInfo.Amelie Cimino hatte eine Diskussion im Forum zum Thema Gor mitverfolgt und aufgegriffen.
Gerade läuft die Diskusion in " Gor für Anfänger " in eine Richtung, die eigentliche ein neues RP geben könnte in Anlehnung zu den Gor-Regeln. Es ist die Rede von der Umkehrung der Positionen. Ich finde die Idee hat was spannendes und könnte eine ganz neuen Blickwinkel eröffnen. Eine Insel die von Frauen regiert wird und die Männer unterwirft--- tolle Idee.!!
Das war am 16.April 2007. Die Reaktion war überwältigend und ein eindeutiges Indiz dafür, dass ein Bedarf an Rollenspielen vorherrschte der sich deutlich von Gor unterscheiden wollte. Von Amazonen war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht die Rede. Erstaunlich war, dass auch sehr viele männliche Diskussionsteilnehmer sich für ein Rollenspiel stark machten mit umgekehrten Vorzeichen. Wer A sagt muss auch B sagen und so blieb nach dem übergroßen Interesse auch gar keine andere Wahl als ein Rollenspiel aus der Taufe zu heben.
Die Namensgebung war dann auch mehr eine Notlösung und ergab sich auch nicht zwingend aus den vielen Vorstellungen. Klar war nur eines: man wollte ein Spiel von Frauen für Frauen und Männer sollten eine untergeordnete Rolle spielen und man wollte möglichst viel von dem Hintergrund der Gorwelten mit herüberretten. Gor war bei allen Diskussionen das große Vorbild, insbesondere dort die kämpfenden Frauen, die Panther. Die Frauen hatten einfach keine Lust mehr dauernd in der Angst zu leben, dass ein bisschen Action auch in der totalen Versklavung enden konnte. Auf die kämpferischen Elemente in einem solchen Spiel wollte aber niemand verzichten und so erinnerte man sich an die Amazonen.
Die Idee hatte jetzt einen Namen und man wollte künftig als Die Amazonen in Second Life auftreten. Erst nach und nach änderten sich die Vorstellungen. Als Atrista Vig zum Gedankenaustausch in den Keller ihrer Burg eingeladen hatte fand sich schnell ein harter Kern der in aller Eile die Grundlagen und die Rahmenbedingungen erarbeitete. Vieles davon hat heute noch seine Gültigkeit. Dieser harte Kern war ein bunter Mix von Frauen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten. Die Visionäre Amelie Cimino und Atrista Vig haben das Rollenspiel entwickelt und die ethischen Grundsätze formuliert und so die Amazonen als eigenständiges Rollenspiel etabliert weit weg vom Vorbild.
Aber Gerade dieser Schritt in die andere Richtung war es der uns erst recht mit Problemen überrannt hat.
Ich halte diesen Schritt heute noch für die einzig richtige Entscheidung. Wir hätten niemals ein Gor neben Gor etablieren können. Wir haben viele Fehler dabei gemacht und die belasten uns heute noch. Die Besserwisser in den Foren die uns immer gerne unsere Fehler, verglichen mit dem Rollenspielverhalten in den scheinbar besseren Spielwelten, vorgehalten haben sind merkwürdig still geworden. Hinter all unseren Bemühungen war immer der Gedanke einen Playground zu schaffen, hauptsächlich für Frauen um vielen eine Möglichkeit zu geben das Schöne eines Rollenspiels einmal selbst mitzumachen ohne dass diejenige oder derjenige dicke Wälzer an Vorgeschichte lesen muss und ohne, dass ein Brockhaus ähnliches Regelwerk erlernt werden muss. Damit haben wir uns geöffnet für viele Anfänger und waren eben kein geschlossener Kreis von Profis.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre aber was die Lehrlinge aus der Idee gemacht haben kann sich sehen lassen.
Amelie und ich werden oft gefragt wo in der Entwicklung von Amazonien unser Hauptaugenmerk liegt. An der der Entwicklung als Kampfspiel oder mehr die Entwicklung einer Gesellschaftsform.
Abgeleitet von dem Vorbild lag das Hauptaugenmerk anfangs tatsächlich mehr auf den kämpferischen Elementen. Dies zeigte sich auch an der Entwicklung der Rollen und Kasten. Kriegern und Spähern wurde sehr viel Platz und Wichtigkeit eingeräumt und man gab sich auch, zugegeben etwas naiv der Illusion hin man könnte mit der einzigen damals kämpfenden Welt Gor im Kampf interagieren.
Diese Fehleinschätzung war fatal und hatte zur Folge, dass innerhalb von nur wenigen Wochen dem Spiel die Grundlage entzogen wurde. Die Welt von "Gor", einem Gegenplaneten zur Erde kannte keine Amazonen. Auf diesem Planeten gibt es nur Frauen entweder als Sklavinnen, wenige geduldete Freie Frauen und natürlich die gesetzlosen, vogelfreien Panther. Unsere Späher spähten vergeblich nach angeblichen Feinden und unsere Krieger trugen Schwert und Bogen lediglich zur Zierde. In Folge dieser falschen Einschätzung wurde deutlich, dass man sich viel zu wenig um Inhalte gekümmert hatte. Vielmehr wurden beinahe alle Kräfte auf die Gestaltung des Simulators ( Sim) und auf das Design der Kleidung der Amazonen gebündelt. Diese waren jetzt wirklich hübsch anzusehen, lungerten aber ziel- und planlos auf einer Insel herum. Die Hoffnung, dass diese sich dann in eigener Initiative selbst einen Handlungsrahmen geben würden erfüllte sich nicht. Dies war nicht der einzige Fehler den die Initiatoren machten. Niemand hatte erwartet, dass nach den Ankündigungen einer Spielerwelt für Frauen von Frauen in deutscher Sprache und auch für Anfänger spielbar die Gruppe mit über 50 Personeneinträgen quasi überrannt wurde. Mit einem solchen Ansturm hatte keiner gerechnet und die Verantwortlichen waren völlig damit überfordert.
Erfahrene Rollenspielerinnen die den Weg zu den Amazonen gefunden hatten hatten entweder keine Lust sich mit Spielanfängern herumzuschlagen oder keine Geduld den Anfängern auf dem Weg zum Rollenspiel hilfreich zur Seite zu stehen. Sie langweilten sich und wanden sich nach wenigen Tagen wieder anderen Welten zu. Dabei hätte die Gruppe gerade in diesen Tagen Rat und Tat der Erfahrenen so sehr gebraucht. Etwas was anfänglich überhaupt nicht bedacht wurde aber der Gruppe fast schmerzhaft klar wurde war, dass niemand daran gedacht hatte das ganze Projekt auf solide finanzielle Beine zu stellen. Die Spielerinnen die sich für Amazonien begeisterten waren in der Mehrzahl Frauen die sich Geld ausgeben in Second Life überhaupt nicht leisten konnten und somit war die Finanzierung für Grundstückskauf und monatlichen Steuerzahlungen alleine Sache der Initiatoren. Auch bei dieser Gruppe der Verantwortlichen zeigte sich, dass nicht jeder den Belastungen gewachsen war. Der enorme Verwaltungs- und Geldaufwand zeigte Spuren. Immer mehr der Initiatoren stiegen aus, hatten nicht mehr die Zeit oder nicht genügend Geldreserven und wohl auch nicht mehr die Nerven.
Zurück blieben Amelie und Atrista. Ohne Geld kein Kampf und ohne Kampf kein Amazonien war die Formel bis zu diesem Zeitpunkt. Umdenken oder aufgeben. Die beiden Hauptfiguren standen am Scheideweg und vergruben sich in tage- und nächtelange Diskussionen. Eines war klar: Amazonien sollte von der Grundidee erhalten bleiben und nicht um des Überlebenswillen von den einmal gefassten ethischen und moralischen Grundsätzen abweichen. Erotik hatte da ihre Grenzen wo die Menschenwürde verletzt wurde. Das Postulat von gegenseitigem Respekt und der Achtung der Würde eines jeden Lebewesens war unumstößlich. Diejenigen Frauen die herkamen um Schutz zu suchen sollten auch weiterhin ihren Schutz finden. Amelie und Atrista hatten einen Scherbenhaufen vor sich den es aufzuräumen galt. Es mangelte in diesen Tagen nicht an gut gemeinten Ratschlagen von Leuten die anderen gerne sagen wie man eine Arbeit erledigt aber selbst nicht bereit waren die Ärmel hochzukrempeln. Beschimpfungen und mitleidiges Belächeln waren an der Tagesordnung. Das Amazonien dieser Tage war gekennzeichnet durch Zickenkriege und Grabenkämpfe, Beziehungskisten und emotionalen Entgleisungen. Der Gruppendynamik hatten die beiden Verantwortlichen nichts Wirksames entgegen zu setzen. Zu unterschiedlich waren die Beweggründe der Frauen hier zu sein, zu unterschiedlich auch Herkunft und Bildungsstand. Es gab Männer die mit weiblichen Avataren spielen wollten, es gab Frauen die aus dem echten Leben flüchteten weil sie eine Ehekrise oder Gewalt in der Ehe erfahren hatten, nicht selten Frauen die an der physischen und psychischen Gewalt in der BDSM -Szene gescheitert waren, Frauen mit irreparablen psychischen Schäden, Frauen die tief in einer Depression steckten und hier dringend Hilfe suchten, Frauen mit einer "Hoppla, jetzt komme ich und zeig es euch allen" Mentalität aber auch Frauen die mit sehr vielen Ideen bereit waren etwas zu tun wenn sie nur gewusst hätten wie und viele Frauen die sich liebevoll um andere kümmerten. Diesen Formenkreis menschlicher Unzulänglichkeiten in den Griff zu bekommen war so als hätte man sich vorgenommen eine neue Primzahl zu entdecken oder die Quadratur des Kreises zu berechnen.
Hilfe bekamen Amelie und Atrista in Gestalt einer engagierten Mitspielerin. Mascha Petrova.
An dieser Stelle liebe Mascha ein ganz herzliches Dankeschön. Ohne dich und dein Engagement hätten wir es niemals soweit gebracht.
Mascha übernahm die schwierige Aufgabe für die Amazonen eine Rolle nach der anderen zu beschreiben und zu definieren. Sie übernahm es auch die Frauen in die einzelnen Rollen einzuweisen und Spielhilfen zu geben.
Amelie und Atrista konnten sich jetzt den menschlichen und gesellschaftlichen Problemen zuwenden. Ein Umdenken hatte stattgefunden. Wir Beide hatten erkannt, dass es keine neue Spielewelt gab wenn nicht zuerst die menschlichen Probleme in Angriff genommen wurden. Das Spiel als Amazonen war nachrangig. Im Fokus war jetzt das Formen einer Gesellschaft. Mit Nachdruck wurde an der Bildung einer Kommune gearbeitet. Während man die Amazonen mit kleinen inszenierten Spielchen bei Laune hielt wurde versucht die Gruppe der Frauen in das größte deutsche Forum für Second Life auf Slinfo.de einzubinden. In endlosen Gesprächen und in Arbeitsgruppen wurden die Frauen langsam an ein Zusammenleben in einer Gruppe vorbereitet. Der Teamgedanke wuchs langsam aber stetig. Es bildete sich eine Kerntruppe von Spielerinnen die in den verschiedensten Rollen die Zugänge und Abgänge betreuten und die in eigener Initiative Spiele und Szenerien entwickelten. Eine kleine deutsche Kommune wuchs heran. So nach und nach konnte auch den Hilfesuchenden die notwendige Hilfe geboten werden. Sie fanden sie entweder in dem deutschen Forum oder bei Freunden auf Amazonien die sie ständig und eng begleiteten. Die Amazonen hatten sich fortentwickelt. Von einer kämpferischen Gruppe von Frauen hin zu einer Kommune mit einer Geborgenheits- und Wohlfühlnote die alles ermöglichte. Gegenseite Hilfe, Zusammenleben in einer schönen Umgebung und natürlich Spaß am Spiel.
Das Rollenspiel durfte nicht zu kurz kommen und musste jetzt neu belebt werden. Dabei waren Anleihen aus anderen Spielewelten durchaus willkommen. Mittlerweile hatten sich auch andere Gruppen zusammengefunden. Die Amazonen waren sicherlich auch für Viele Vorbild. Galt es bis dato als schick in Second Life Rollenspiele nur als Roleplay in englischer Sprache durchzuführen war man jetzt bereit die deutsche Sprache nicht nur verschämt in einzelnen Ecken einzusetzen. Das deutsche Rollenspiel war gesellschaftsfähig geworden. Die Amazonen sind immer noch in der Experimentier- und Findungsphase. Ist man auf der Insel dann ist die Person automatisch in der Rolle und spielt. Daneben gibt es aber auch die typischen Kampfszenen in denen ein Kampfmeter anzeigt wie lange man einen Kampf noch durchsteht. Eine andere Art des Spielens miteinander ist ein Mix des uralten Pen and Paper mit den visuellen Wahrnehmungen. Hierbei werden Szenen gespielt, auch Kampfszenen wo nicht einmal eine gezückte Waffe zum Einsatz kommt. Die schönste aber auch die schwierigste Form miteinander zu spielen. Eine weitere Art des Rollenspiels wurde auch schon ausprobiert. Ein Fremder, ein Gastspieler übernimmt irgendeine Rolle und keine der beiden Seiten weiß wie die andere reagiert. Ein sehr dynamisches Spiel mit hohem Spaßfaktor. Ein letztes Experiment von Rollenspiel wurde erst jüngst ausprobiert. Es wird in Romanform eine Szene beschrieben und eine Hintergrundgeschichte geschaffen, die dann gespielt werden muss. Das Spiel wiederum liefert neue Aspekte die in die Geschichte einfließen müssen. So beeinflussen sich Spiel und Geschichte und die erzählte Geschichte wird wie in einem Theater zur Kulissenschieberei verwendet.
Man kann also mit Fug und Recht behaupten, Die Amazonen sind aus der Spielewelt in Second Life nicht mehr wegzudenken. Sie haben sich zu einer Gesellschaft und Kommune fortentwickelt die auch ein fester Bestandteil des deutschen Forums ist. Die Amazonen sind eine Gruppe von Frauen die Spaß daran haben miteinander zu spielen um die Gemeinschaft zu pflegen. Das Kämpfen alleine steht nicht mehr so im Vordergrund vielmehr wird jede Art der Interaktion akzeptiert.
Amazonien ist mehr als ein Rollenspiel. Amazonien ist eine Summe.
Amazonien ist eine Gesellschaftsform.
Eine Gesellschaftsform von Frauen dominiert bringt unweigerlich die Rufer auf den Plan die uns als Feministinnen und Lesben bezeichnen.
Selbstverständlich hat Amazonien einen feministischen Hintergrund. Wir Amazonen sind selbstbewusst genug uns dazu zu bekennen wohl wissend um den negativen Beigeschmack den dieses Attribut mit sich bringt. Auf den Zungen vieler Zeitgenossen zerfließt das Wort pseudointellektuell zu einer Sauce á la "Kampflesbe". Wenn man den Eröffnungspost von Amelie Cimino am 16. April 2007 nochmals genau liest und sich die letzten beiden Worte "..... tolle Idee!" in Erinnerung ruft dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass da eine ganz gehörige Portion Feminismus dahinter steckt. Da steckt doch die eindeutige Botschaft drin, wir Frauen wollen eine eigene Welt in der tunlichst Männer nichts zu sagen haben. Wer in diesem Thema weiter stöbert, den Thread im Forum weiter verfolgt der gibt keinen Pfifferling mehr auf das Patriarchat der bierbäuchigen und schnurrbärtigen Stammtische. Was wurde da auf die Männerwelt eingedroschen und seltsamerweise gab es eine große Zahl männlicher Zeitgenossen die sich regelrecht unter das Joch weiblicher Raffinesse gesehnt haben. Ein regelrechtes "Hurra Matriarchat" machte sich breit. Wie alles in der facettenreichen Entwicklungsgeschichte haben sich auch da die scharfen Kanten abgeschliffen. Selbstverständlich war nicht Feminismus die Triebfeder für Amelies Eröffnungspost, es war mehr der Reiz an der Sache, eher die Frage ob eine solche Welt vorstellbar oder spielbar war. Genau die richtige Aufgabe für eine Juristin um die moralischen Eckpfeiler wieder auf die richtigen Koordinaten zu setzen.
Ich gratuliere mir Heute noch für diesen genialen Schachzug die Gesetze Amazoniens in nur sechs Paragraphen (Codex) zu formulieren. Diesen Codexen stellte ich einen Erlass voran.
"Sämtliche Regeln sind gesetzesgleich und endgültig. Sie wurden uns von den Göttern gegeben und dienen der Erhaltung des Staatenbundes, der Integration der Amazonenvölker und dem Gemeinwohl. Gesetze werden in einzelnen Codexen beschrieben und dürfen niemals gegen den Erlass verstossen. Menschen, Pflanzen, Tiere und Elemente verdienen den Respekt und die Achtung aller Amazonen. Sie sind ein Geschenk der Götter und sollen unser irdischisches Dasein jetzt und in Zukunft sichern. Jede Amazone hat das Recht und die Pflicht, diese Gabe der Götter mit allen Mitteln zu verteidigen".
Mit diesem Erlass hatte ich als gelernte Juristin gezeigt, dass Juristerei ja so einfach sein kann und allen Extremen von Beginn an die Zähne gezogen. Mit diesem Erlass war kein feministischer Weiberstaat mehr machbar. Amelie und Atrista hatten es geschafft dem Wort Feminismus einen anderen Sinn zu geben. Der fade Beigeschmack war verschwunden und Amazonien blieb dennoch ein von Frauen regiertes Land. Die Geschichte der Amazonen in der Antike hatte nur wenig dazu beizusteuern. Wie oben schon erwähnt war der Rückgriff auf die bewaffneten Frauen der Antike eher der Not gehorchend auf der verzweifelten Suche nach aktuellen Beispielen aktiver und positiver Frauendominanz. Das Mysterium der Amazonen in der Geschichte lässt auch bei uns Deutungen in alle Richtungen zu. Wir können eine phantastische oder eine phantasievolle Welt aufbauen ganz nach unserem Geschmack.
Wir sind aber keine ausgrenzende Gesellschaft. Wir lieben vielmehr die Vielfalt und das Spiel mit anderen. Von Anfang an haben sich die Amazonen geoutet als tolerante, aufgeklärte Bürger in dieser Welt. Wir waren bereit auch andere Völker zu integrieren. Unsere Gesellschaft hat Zuwachs bekommen. Wir haben seit kurzem dabei die Elfen und ab sofort eine neue Gesellschaft die Töchter Artemis die uns als Rebellen in die Suppe spucken wollen. Aber auch sonst sind die Amazonen aufgeschlossen. Wir waren die ersten die sich offen gemacht haben für Avatare aller Art. Wir waren die Einzigen die sich ohne Wenn und Aber auch dafür ausgesprochen haben Kinder zu akzeptieren und als selbstverständliches Element in unser Spiel zu integrieren.
Wie aber interagieren wir mit anderen Welten?
Was aber nützt der schönste Garten, wenn man ihn nicht dem Nachbarn zeigen kann? Die Amazonen sind eitel und stolz auf die Welt die sie geschaffen haben. Amazonien wird gerne hergezeigt. Wir lieben Besucher. Dabei spielt die Herkunft und die Sprache des Besuchers nur eine sekundäre Rolle. Bei fremdsprachigen Besuchern wird im schönsten deutsch/englischen kauderwelsch geradebrecht was das Zeug hält und führt so zu regelmäßigen sprachlichen Lockerungsübungen. Jede der beiden Seiten erfährt eine gewisse Befriedigung dadurch, dass die Einen stolz darauf sind auch diesen Besucher begrüßt zu haben und der Andere sieht in den Bemühungen, dass man ihm Respekt entgegen bringt. Die so gefundenen Gemeinsamkeiten machen Amazonien für jeden Besucher zu einem Erlebnis.
Die Amazonen sind ein kontakt- und spielfreudiges Volk und außerdem schmecken die Kirschen in Nachbars Garten auch gut oder manchmal besser. Allerdings sind dem spielerischen Kontakt mit anderen Welten Grenzen gesetzt. Die Amazonen spielen in der deutschen Sprache und nur ganz wenige der Spielerinnen beherrschen eine Fremdsprache so gut, dass sie in der fremden Sprache glaubhaft spielen könnten. Wer es einmal versucht hat weiß wie schwierig es ist Gefühle und Empfindungen auszudrücken wenn man eine Sprache nicht zu 100 % beherrscht. Daher gibt es durchaus vorsichtige Anfragen von englischsprachigen Völkern wie den "Roma" oder den "Celtic Amazones" aber einen spielerischen Kontakt hat es bisher nicht gegeben. Nicht nur die Sprache ist ein Kriterium bei der Suche nach möglichen Spielewelten. Zeit und Raum sowie die Ausstattung müssen einigermaßen aufeinander abgestimmt sein. Unvorstellbar, dass die Amazonen mit Pfeil und Bogen gegen ein Volk kämpfen das selbst nur Laser- und ballistische Waffen in ihrem Repertoire hat. In einem solchen Fall kann es nur ein freundschaftliches Miteinander geben. So geschehen mit unseren Freunden vom Orden des Phönix Ember. Der Orden hat eine mystische Vita und es bedurfte der abenteuerlichsten Hintergrundgeschichten um diese Spielfreundschaft Wirklichkeit werden zu lassen. Viel einfacher dagegen ist das Zusammenspiel mit den deutschen Elfen. Die Elfen haben eine ähnliche Spielanlage wie die Amazonen, sind nicht unbedingt auf eine historische Epoche festgelegt und bespielen die ganze Bandbreite phantastischer Mysterien. Zauberer und Magier, Heilerinnen, Wahrsager und Königin sind ganz nach dem Geschmack der Amazonen und ermöglichen eine Interaktion auf Anhieb. Die Amazonen sind schon aus eigenem Interesse bestrebt den Kontakt mit anderen Völkern herzustellen und die Spielmöglichkeiten auszuloten.
Amelie und Atrista sagen an dieser Stelle ganz herzlichen Dank an euch Amazonen aber auch an unsere Freunde und Bürger Amazoniens.
Wir blicken mit Stolz zurück auf das was da entstanden ist.
Wir blicken Stolz auf Euch die die Gedanken, Ideen und Grundsätze mit Leben erfüllen.
Wir wünschen uns, dass wir mit diesem zeitlichen Abriss, mit diesem Rückblick und den Hintergrundinformationen noch ein bisschen mehr dazu beigetragen haben, dass Ihr Stolz sein könnt.
Wir lieben Euch!